Bei Google gefunden werden

„Ich will bei Google gefunden werden!“

Suchmaschinenoptimierung ist kompliziert. Und viele Unternehmer haben falsche Vorstellungen darüber, wie es funktioniert.

Bei Google gefunden werden – was heißt das überhaupt? Kaum ein Begriff ist so schwammig wie bei Google gefunden werden. Denn vielleicht werden Sie auf Seite 8 gefunden? Dann ist der Tatbestand des Gefunden-werdens technisch gesehen erfüllt. Aber es gibt unter SEO-Experten den Spruch: „Eine Leiche versteckt man am besten bei Google auf Seite 2“. Er soll darauf hinweisen, dass schon auf Seite 2 fast niemand mehr sucht. Also bedeutet „gefunden werden“, dass man auf Seite 1 gefunden wird.

Irrtum 1: Wenn ich Ihre Seite optimiert habe, wird sie bei Google auf Seite 1 gefunden.

Schön wär‘s, wenn es so einfach wäre! Aber die organischen Ergebnisse von Google funktionieren nicht wie eine Zeitung, wo man eine Anzeige schalten kann und dann automatisch angezeigt wird.

Beispiel: Ich mache auch Fotos. Um diese Dienstleistung besser zu bewerben, habe ich recherchiert, was zum Thema einigermaßen oft gesucht wird, und wo es gleichzeitig wenig Wettbewerb gibt. Ich fand den Begriff Fotograf Darmstadt – mittlerer Wettbewerb, aber 480 Suchanfragen. Die am besten gelisteten Mitbewerber hatten einen überschaubaren Sichtbarkeitsindex bei Sistrix. Also optimierte ich die Seite auf den Suchbegriff „Fotograf Darmstadt“:

  1. Bevor ich eine eigene Seite dafür baute, hieß die Seiten-URL woerterfall.com/fotograf-darmstadt/
  2. Die H1 hieß Fotograf Darmstadt
  3. Im Fließtext hieß der erste Satz „Fotograf Darmstadt. Ich mache Ihre Portraitfotos, Produktfotos sowie Fotos von Ihren Geschäftsräumen in Darmstadt und Umgebung. Ich arbeite mit einer Canon EOS 5D Mark II, lichtstarken Objektiven, Blitzgerät, Lampen – und einem guten Blick!
  4. Der Alt-Text zum Beitragsfoto lautete Fotograf Darmstadt
  5. Auf der Seite stehen 617 Wörter übers Fotografieren
  6. Im Footer hatte ich einen Link zu der Seite mit Namen „Fotograf Darmstadt“.

Obwohl ich alles gemacht hatte, was mir eingefallen war, fand man die Seite auch nach mehreren Wochen bei Google erst auf Seite 7. Und Seite 7 ist so gut wie nicht existent. Hätte ich diesen Fehler vermeiden können? Nicht gleich, denn nach meiner Einschätzung entfaltet sich das Potenzial eines Keywords erst nach einer Weile, wenn man die Entwicklung der Seite über einen längeren Zeitraum beobachtet hat.

Was habe ich unternommen, um das Ergebnis zu verbessern? Ich stellte fest, dass Foto Darmstadt zwar nur 210 Suchanfragen hat, aber dafür nur niedrigen Wettbewerb, und dass einige Suchergebnisse für diese Suchphrase schon auf der ersten Seite von dasoertliche.de und facebook.com stammten. Dies interpretierte ich so, dass es mit diesem Suchbegriff leichter sein würde, auf Seite 1 zu landen. Heute habe ich die Seite daher auf Foto Darmstadt optimiert, und nun heißt es abwarten.

Irrtum 2: Wenn die Seite optimiert ist, muss ich nie wieder was tun.

Das Internet ist ein sich ständig verändernder Organismus, und Google ist ein lernendes Unternehmen. Was gestern noch galt, kann heute schon veraltet sein. Google entwickelt sich ständig weiter und verfeinert seine Algorythmen. Und ständig kommen auch in Ihrer Branche neue Mitbewerber hinzu oder es fallen welche weg. Oder ein bekannter Mitbewerber verändert seine Website und wird plötzlich besser gefunden als Sie. Es wäre daher naiv, zu glauben, die Maßnahmen von 2012 würden auch 2016 noch funktionieren.

Irrtum 3: Man kann alles über SEO wissen.

Erstens: Niemand weiß alles. Man kann aber sehr lange unerkannt in dem Irrtum leben, alles zu wissen – so lange, bis der Irrtum aufgedeckt wird. Zweitens – siehe Irrtum 2: Google entwickelt sich ständig weiter und verfeinert seine Algorythmen. Man stochert also immer ein bisschen im Nebel und verlässt sich darauf, dass an der Stelle, wo gestern noch etwas war, auch morgen noch etwas sein wird. Aber auch Ihr SEO-Experte kann Ihnen keine Garantie geben, dass Sie für immer auf Seite 1 bleiben.

Irrtum 4: Aber WENN ich dann auf Seite 1 stehe, bekomme ich automatisch Kunden!

Es spricht zwar viel dafür, dass das passiert, aber auch einiges dagegen. Und zwar aus drei Gründen:

1. Vielleicht wollen sich die Leser dieser Seite nur informieren und brauchen Ihr Angebot nicht.

Beispiel: Den meisten Traffic hat hier ein Blogartikel über die Renovierung meines Wohnwagens. Wenn die Leser die jeweiligen Artikel gelesen haben, ist ihr Informationsbedürfnis erfüllt und sie gehen wieder. Daraus entsteht kein Auftrag für mich.

2. Wenn Ihre Seite nicht responsive ist oder schlicht nicht ansprechend aussieht, oder wenn der Besucher keine positive Resonanz zu Ihnen hat, weil Sie ihn auf dem Foto an seine verhasste Tante Frieda erinnern, dann wird er Sie nicht anrufen.

3. Der dritte Grund klingt etwas esoterisch, aber da muss ich jetzt durch: Wenn Sie von Ihren Vorfahren gelernt haben, dass man bescheiden sein soll, oder wenn Sie aus einem vergangenen Leben ein Art Bannspruch oder ein Versprechen mitgebracht haben, oder wenn Sie insgeheim Angst vor zu viel Sichtbarkeit haben, dann bleiben Sie auch auf der ersten Seite unsichtbar und werden entweder gar nicht erst angeklickt, oder man ruft Sie nicht an, obwohl man die Seite besucht hat. Diese Art Sichtbarkeitsthema kann man mit einem EnergyCoach aufzulösen versuchen.