Bei einer Unternehmensgründung kann man zahlreiche Fehler machen. Viele Existengründer geben z.B. viel Geld für ihre Ausbildung oder ihr Equipment aus, sparen aber an der Werbung. Das ist so, wie wenn man ein tolles Haus baut, aber leider führt keine Straße dorthin: Man sitzt dort fest und niemand kommt zu Besuch.

Dies sind die häufigsten Fehler, den ich bei Unternehmensgründungen schon begegnet bin:

1. Sie machen das Logo selbst.

„Ach, ich mach das Logo selbst – das ist doch einfach!“ Von wegen. Ein selbstgemachtes Logo sieht fast immer furchtbar aus. Die Fehlerquellen sind vielfältig: Entweder sind die Farben zu grell, oder es werden Schriften kombiniert, die nicht zusammen passen. Viele Logos sind auch zu detailreich, z.B. weil der Unternehmer alles reinpacken wollte, das ihm eingefallen ist. Neben der Bildmarke werden gerne mal zwei Schriftarten in einem Wort kombiniert, und im Text unter der Hauptzeile („Subline“) wird noch eine dritte Schrift verwendet. Da kann einem schwindlig werden – so wie hier*.

Doch auch Logos, die relativ wenig Gestaltungsmerkmale enthalten, können blöd aussehen. Wenn Bild- und Wortmarke nicht zusammen passen, erinnert mich das an ein altes Ehepaar, das nebeneinander her lebt und schon seit Ewigkeiten nicht mehr miteinander gesprochen hat.

Ungünstig ist es auch, wenn Unternehmer das Logo ständig wechseln. Denken Sie an Ihre Freundin Susanne, die ständig neue Lover anschleppt – man muss sich gar nicht mehr die Mühe machen, sie kennenlernen, weil man ja schon weiß, dass sie nach wenigen Wochen wieder ausgewechselt werden. Denselben Effekt erzielen Unternehmer, die alle sechs Monate ein neues Logo brauchen, weil sie sich „schon wieder weiterentwickelt“ haben. Das wirkt nicht „weiterentwickelt“, sondern einfach nur unstet und unsicher. Ich bin ein gutes Gegenbeispiel: Meine Firma heißt immer noch Wörterfall, obwohl der Name schon nach ein halbes Jahr nach Firmengründung nicht mehr stimmte. Viele Kunden reduzieren mich erst auf meine Text-Dienstleistungen, und natürlich stört mich das manchmal, weil das Texten nicht einmal den größten Raum einnimmt. Aber deswegen gebe ich meine Marke nicht auf, denn dafür ist sie viel zu kraftvoll. Ich müsste quasi nochmal von vorne anfangen.

Wenn Sie also eine Marke und ein Logo haben, dann bitte bleiben Sie ihr bzw. ihm auch treu. Und wenn Sie es unbedingt ganz neu machen müssen, dann gehen Sie beim zweiten Mal wenigstens zu einem Designer, damit Sie das zweite Logo wenigstens länger behalten.

Tipp: Wenn Sie partout nur wenig Geld ausgeben können, kaufen Sie wenigstens ein halbwegs anständiges Logo von LOGOMARKET. Hierbei handelt es sich meist um Entwürfe, die in einem Logoentwicklungsprozess nicht genommen worden sind. Die Preise sind unterschiedlich, und viele wirken seltsam seelenlos, aber sie sind besser als ein von Ihnen selbstgemachtes.

Und wenn Sie das Logo dann haben und es gefällt Ihnen nicht mehr, dann fragen Sie einen Designer, ob er es sanft weiterentwickeln kann. Schmeißen Sie es nicht gleich auf den Müll. Denken Sie an Susanne.

2. Sie lassen die Website von Ihrem Mann, Ihrem Sohn oder Ihrem Neffen kostenlos bauen – und die sind womöglich auch noch Laien.

Nehmen Sie keinen geschenkten Gaul, wenn Sie auf ihn angewiesen sind, ihm aber nicht ins Maul schauen dürfen! Denn wenn Ihnen das Resultat nicht gefällt, ist es in einem Gefälligkeitsverhältnis sehr schwer, Kritik zu üben. Für den Ehemann, der viel Zeit investiert hat, ist es frustrierend, wenn Sie nicht zufrieden sind und seine Arbeit umsonst war. Ihre Ehe wird drunter leiden. Und für Sie ist es frustrierend, mit einer stümperhaften Website auf den Markt zu treten, die obendrein niemand findet.

Falls Sie sich trauen, Ihre Mann zu sagen, dass er die Website noch einmal überarbeiten soll, kann es sein, dass er sich ärgert, weil er jetzt noch mehr Zeit investieren muss, und weil Sie so undankbar sind. Und vielleicht kann er es auch einfach nicht besser? In jedem Fall entsteht eine energetische Schieflage, denn Ihr Mann bzw. Ihr Sohn kann sich zwei wichtige Bedürfnisse nicht erfüllen: er trägt mit seiner Arbeit nicht einmal zu Ihrer Lebensfreude bei (Bedürfnis Beitragleisten), und er erhält keine Anerkennung – zwar für die Arbeit an sich, aber eben nicht für das Ergebnis (Bedürfnis Bedeutsamkeit, ein guter Mensch sein). Er kann also nicht von dem schönen Effekt zehren, dass er Ihnen “für umme” eine schöne Internetpräsenz gemacht hat. Sondern Sie sind auch noch unzufrieden. So etwas kann eine Beziehung sehr belasten, vielleicht sogar zerstören.

Gefälligkeitsverhältnisse sind für beide Seiten ein Risiko. Ich war schon auf beiden Seiten: einmal habe ich einer Freundin einen Flyer kostenlos erstellt und ärgerte mich, dass sie immer wieder Änderungswünsche hatte und die Entwicklung dadurch viel länger dauerte. Und ich habe schon mehrere Arbeiten gesehen (Flyer und Websites), die im Rahmen eines Freundschaftsdienstes entstanden sind, und die ich unbrauchbar fand.

Eine meiner Auftraggeberinnen wollte Geld sparen und hat das Angebot eines ihrer Kunden angenommen, ihr kostenlos einen Flyer zu erstellen. Ich sollte nur den Text schreiben. Als ich den Flyer sah, war ich überrascht, wie lieblos er aussah. Ich wagte erst gar nicht, dies meiner Kundin zu sagen. Auf eigenes Kostenrisiko erstellte ich dann einen neuen Flyer, weil mir sonst überhaupt kein Text eingefallen wäre. Vorsichtig bereitete ich sie darauf vor, dass ich einen eigenen Entwurf gemacht hätte, und dass sie ihn aber nur bezahlen müsse, wenn sie ihn nähme. Sie erklärte mir, dass es dem Klienten gerade nicht so gut gehe. Sein Angebot sei vielleicht für ihn auch eine Belastung, und sie finde den Flyer auch nicht so schön. Sie wollte meinen Flyer sehen – und fand ihn besser.  Aber dann war sie besorgt, ob der Kunde jetzt beleidigt sein könne, weil sie seinen Entwurf nicht nehme.

Wenn der Freund (hier also der Kunde) die Arbeit auch noch unter Stress und aus reinem Pflichtbewusstsein abwickelt, und dann verwendet man den Flyer nicht mal – das ist ja noch frustrierender! Der Unternehmer hat dann womöglich auch noch Schuldgefühle, weil er sich wegen seines Flyers so anstellt.

Ich finde, das sind Probleme, die man wirklich nicht braucht, oder? So teuer kann ein bezahlter Flyer überhaupt nicht sein, als dass man sich solche Verstrickungen ans Bein bindet!

Tipp: Schaffen Sie klare Verhältnisse. Lassen Sie auf keinen Fall Ihren Mann ran. Und wenn Sie Ihren Sohn oder Neffen oder wen auch immer beauftragen, dann bezahlen Sie ihn – wie jeden anderen auch. Dann können Sie seine Arbeit nach Bedarf kritisieren, denn dann behandeln Sie ihn wie jeden anderen Lieferanten. Ihr Sohn oder Neffe hat in Ihnen einen ganz normalen Kunden gewonnen und bekommt seine übliche Gegenleistung. Damit bleiben beide Verhältnisse (Werklieferungsvertrag <=> Freundschaft oder ähnliches) getrennt voneinander. Das schafft Klarheit und Sicherheit für beide Seiten. Und für die Beziehung ist es auch besser.

3. Sie bauen die Website mit einem Baukastensystem selbst.

Baukastensysteme haben den Vorteil, dass man sofort sieht, was man macht (What you see is what you get, abgekürzt WYSIWYG), aber sie haben den entscheidenden Nachteil, dass man meist nicht viel machen kann. Irgendjemand hat für diesen Baukasten eine Unzahl von Designs auf Halde entwickelt, und da er die Kunden ja nicht kannte, sehen die Designs oft aus, als ob man ein Kleid trägt, das für jemand anderen maßgeschneidert wurde – es passt vorne und hinten nicht.

Je nach Baukasten kann man nur aus Komplettpakete aus Farben, Header-Grafik und Schriftart wählen, und meist sehen diese Pakete, aufgeblasen, überholt und unmodern aus. Und natürlich sieht man sofort, dass es ein Baukasten ist. Professionell sieht das meist nicht aus.

4. Sie haben Photoshop und nutzen immer alles, was möglich ist.

Der Hauptunterschied zwischen einem Designer und einem Photoshop-begeisterten Laien ist, dass der Laie denkt: „Boah, GEIL, was man hier alles machen kann! Gleich mal ALLES einsetzen!“ Jedes Foto kriegt nicht nur einen Rahmen, sondern auch eine abgeflachte Kante, ein Relief, einen Schein UND einen Schatten. Schriften werden perspektivisch verzerrt, in Schlangenlinien gesetzt, mit abgeflachten Kanten versehen, vielleicht noch eine Textur drauf, jedenfalls alles schön bunt, so dass man fast  Augenkrebs kriegt. Das ist so, als ob man alle Klamotten, die man im Schrank hat, auf einmal anzieht. Oder sich allen Schmuck umhängt, den frau hat. Oder alle Farben aus dem Lidschattenkasten benutzt.

Schriften als Reliefs sehen meist überladen und kitschig aus. Schatten dürfen nicht zu groß sein und nicht zu dunkel. Schriften sehen verzerrt meist furchtbar aus.

Dies gilt nicht nur für Photoshop, sondern z.B. auch für Artisteer, eine Software, mit der man Templates für WordPress, Joomla, Drupal etc. bauen kann. Ziemlich nerviges Programm, aber man hat viele Design-Möglichkeiten, unterschiedliche Navigations-Buttons, Farbverläufe, Glüheffekte, Balken, kurzum: alles, was das Gestalterherz begehrt.

Ein guter Designer setzt Effekte nur sparsam ein. Ein guter Flyer bzw. eine schöne Website strahlt Ruhe und Kraft aus. Zu viel Design macht nur Hektik. Und auch wenn es schöne “hektische” Websites gibt, ist es für einen Laien schwierig, das richtige Maß zu halten.

5. Sie denken: „Ich glaube nicht, dass eine Internetseite so wichtig ist. Von den Kunden, die zu mir kommen, ist keiner über die Website gekommen.“

Immer wenn ich diesen Satz höre, kriege ich fast einen Anfall. Er heißt nämlich nur, dass die Seite im Internet nicht gefunden wird. Da hat jemand einfach keine Ahnung von Suchmaschinenoptimierung.

6. Sie nehmen sich an den falschen Stellen zu wichtig. Und an den richtigen nicht wichtig genug.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Sie sollen sich wichtig nehmen – aber an den richtigen Stellen. Zum Beispiel müssen Sie das Design Ihrer Werbung ernstnehmen, denn damit drücken Sie einerseits Wertschätzung gegenüber sich selbst und Ihrem Angebot aus: Sie sollten es sich wert sein, eine ordentlich designte Website und einen passenden Flyer gestalten zu lassen. Und andererseits drücken Sie damit auch dem Kunden gegenüber Wertschätzung aus. Denn eine gute, informative Website, auf der der Kunde sich sofort zurechtfindet und ein schöner Flyer sind wie eine aufgeräumte Wohnung und ein gebackener Kuchen, wenn man Besuch erwartet – der Gast fühlt sich willkommen und bleibt gerne.

Wo Sie sich nicht zu wichtig nehmen sollten, ist auf Ihrer Profilseite: Gehen Sie davon aus, dass niemand sich so sehr für Sie interessiert, wie Sie gehofft haben. Versetzen Sie sich in Ihre Kunden und informieren Sie sie nur über die Fakten, die sie wirklich brauchen. Sie müssen nicht Ihr ganzes Leben ausbreiten. Die meisten Menschen interessieren sich am meisten für sich selbst. Ihr Kunde will in der Regel nur erfahren, was ihm Ihr Angebot bringt.

7. Sie machen sich zu wenig Gedanken, wer Ihre Zielgruppe ist.

Fast alle Unternehmer sind von ihrem Produkt so überzeugt, dass sie glauben, es diene der ganzen Welt. Das mag in Ihrem Fall sogar stimmen. Aber stellen Sie sich vor, jemand tippt Ihnen im Supermarkt auf die Schulter und behauptet, er sehe am Inhalt Ihres Einkaufswagens (Toastbrot, günstiges Hackfleisch, Fertiggerichte), dass Sie sich falsch ernähren. Und dann gibt er Ihnen seinen Flyer, in dem er Ernährungsberatung anbietet. Wären Sie ihm dankbar?

Die meisten Unternehmensgründer fassen die Zielgruppe erstens zu weit, zweitens gehen sie nur vom Bedarf aus, aber nicht vom Interesse. Das Interesse ist aber essentiell für die Kaufentscheidung. Sie werden niemandem in einen Bus helfen können, in den er nicht sowieso einsteigen will. Ihre Werbung wird an ihm abprallen, vielleicht rezipiert er sie nicht einmal.

Fazit:

Mit einem Unternehmen zu starten, ohne sich über Werbung und Marketing gründlich Gedanken gemacht zu haben, ist so, als gingen Sie mit Flipflops und Sommerkleid auf eine Bergtour. Wie der Schwabe so schön sagt: “Billig kauft zweimal”. Beauftragen Sie lieber gleich einen Profi – z.B. mich.

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*) Das hier abgebildete Logo stammt aus einem Kundenauftrag. Die Dame (eine meiner ganz wenigen Raucher-Kunden) wollte unbedingt das Wortspiel DiJaloge verwenden, obwohl ich mit Engelszungen versuchte, sie davon abzubringen. Außerdem wollte sie ein Ausrufezeichen im Wort unterbringen, und dieses sollte auch noch ein Federkiel sein. Ich litt Höllenqualen, dachte mir aber “Des Menschen Wille ist sein Himmelreich” und baute ihr die Feder ein. Als es fertig war, fand sie, das Logo habe noch zu wenig Pep, woraufhin ich erwiderte, dass es für mich eigentlich schon zu viel Pep habe. Daraufhin war sie so verärgert, dass sie die Zusammenarbeit beendete. Das Logo, das sie jetzt verwendet, sieht ordentlich aus (keine gespreizten Wortspiele mehr) – scheinbar konnte sich ein anderer Designer besser durchsetzen.